BAD NAUHEIM: Einen „Hauch von Hollywood“ versprach Pfarrer Dr. Ulrich Becke am vergangenen Mittwoch, als er nach dem Buß- und Bettagsgottesdienst die Fotoausstellung in der Dankeskirche zum Thema „Gottes Erde – kostbares Land“ eröffnete. Dortwurden nicht nur die 20 besten Bilder aus dem gemeinsamen Fotowettbewerb von Wetterauer Zeitung und Brot für die Welt gezeigt, sondern auch fünf Preise vergeben. Zwar gab Becke an, „so etwas in 30 Berufsjahren noch nicht gemacht“ zu haben, dennoch steigerte er die Spannung oskarwürdig von den „lucky losers“ auf dem fünften und vierten Platz bis zu den Gewinnern der Geldpreise.
Doch als es hieß „the winner is .“ lag der, für den es am aufregendsten gewesen wäre, zuhause krank im Bett: Philipp Heinrich aus Darmstadt-konnte den reis in Höhe von 250 Euro nicht selbst entgegen und hatte Mutter Christa und Vater Peter nach Bad Nauheim geschickt, die ihren Sohn mit Begeisterung vertraten. Das Siegerfoto, berichtete Christa Antoni-Heinrich, hat ihr Sohn mit Freunden in der Nähe der Feste Otzberg im vorderen Odenwald aufgenommen: „Die Jungen hatten total viel Spaß an diesem Tag.“ Diese Lebenslust spiegelt sich auch in dem Foto. Freude, Dankbarkeit, Ehrfurcht – vieles lässt sich in das Bild hineininterpretieren. Der Jury gefiel sowohl die gelungene Umsetzung des Themas wie auch die perfekte fotografische Komposition „Besser kann man es nicht machen“, so Siegfried Klingelhöfer von der Chefredaktion der Wetterauer Zeitung, der die Entscheidungen der Jury begründete. Jedes Jurymitglied habe hart für seine Favoriten gekämpft, doch am Ende sei man in allen Fällen zu einer einstimmigen Entscheidung gekommen. Neben Klingelhöfer gehörten und WZ-Fotografin Nici Merz gehörten der Jury auch die Fotografin Hiltrud Hölzinger aus Bad Nauheim, der Pressesprecher des Wetteraukreises Michael Elsaß und Annegret Rach vom Evangelischen Dekanat Wetterau an.
Für Philipp Heinrich ist es schon der zweite Sieg bei einem Fotowettbewerb. Doch beim ersten, berichteten die Eltern, durfte man im Internet abstimmen so dass nicht nur die Qualität des Bildes, sondern auch die die Zahl der Freunde eine Rolle gespielt habe. „Für Philipp ist das deshalb heute der erste richtige Preis, weil eine unabhängige Jury entschieden hat.“ so die Eltern. Und was mit dem Preisgeld passieren soll, steht auch schon fest: Der junge Fotoamateur hat sich gerade eine alte Rolleiflex-Kamera gekauft und braucht jetzt einen Vergrößerungsapparat um in Zukunnft selbst die Abzüge von den alten Rollfilmen zu entwickeln. Dass er auch in schwarz-weiß den Blick für das Besondere entwickelt, zeigt er auf einer eigenen kleinen Homepage: www.philipp-heinrich.de.
Die Gewinnerin des zweiten Preises in Höhe von 150 ‚Euro kommt aus Bad Nauheim. Das Bild von Patricia Cajigas, aufgenommen in Peru, bildet den denkbar größten Kontrast zum Siegerfoto: Wir sehen aufgerissene trockene Erde, in der fast nichts wächst. Die Risse im Boden sind so breit, dass das Fahrrad der Fotografin hineingestürzt ist. Gerade dieser Gegensatz zeigt in den Augen der Jury, wie kostbar fruchtbares Land ist, das die Menschen auch ernähren kann.
Der dritte Preis in Höhe von 100 Euro ging an Josef Hinterleitner aus Sierning in Österreich, dessen lustiger Landmann beweist, dass man sich dem Thema auch mit Humor nähern kann. Den vierten Preis und fünften Preis – ein Korb mit Waren aus fairem Handel – erhielten Franz Josef Schrecklinger aus Ittersdorf und Carsten Schröder aus Tholey. An Schrecklingers Foto gefiel der Jury der kritische Ansatz und die originelle Idee, Schröder dagegen, begründete Klingelhöfer die Entscheidung, zeige auch die „geschundene Erde“, hier ein beeindruckendes Beispiel aus dem Braunkohletagebau bei Hambach.
Alle Preise wurden gestiftet und nicht aus Spendengeldern finanziert, betonte Dr. Ute Greifenstein vom Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Mit dem Fotowettbewerb möchte Brot für die Welt auf das Thema „Landgrabbing“ aufmerksam machen. „Landraub zieht sich wie ein roter Faden durch die Weltgeschichte.“ erläuterte Greifenstein die Hintergründe. In der modernen Form seien es große Investmentfirmen, die Land in den armen Ländern pachten oder aufkaufen. Meist hätten die bisherigen Nutzer keine schriftlich verbrieften Besitzrechte. Da rühre auch daher, dass man in der Vorstellung dieser indigenen Bevölkerungen Land nicht besitzen kann, weil das Land in ihren Augen den Göttern gehört. Greifenstein dankte der Wetterauer Zeitung und den Mitgliedern der Jury für die gute und fruchtbare Zusammenarbeit, die geholfen habe, auch die Menschen in der Wetterau für dieses im Kampf gegen den Hunger wichtige Thema zu sensibilisieren.
Dass Brot für die Welt die landesweite Eröffnung der 53. Spendenaktion am 1. Advent nach Bad Nauheim gelegt habe, erfülle ihn mit Stolz, sagte Dekan Jörg-Michael Schlösser. Zu verdanken sei dies nicht zuletzt der unermüdlichen Arbeit einer Gruppe von Menschen, die in der Kurstadt mit unglaublicher Kreativität und immer neuen Ideen für Brot für die Welt aktiv sei. „Hoffen wir, dass Brot für die Welt und wir durch unsere Aktionen den tödlichen Kreislauf des Egoismus und der Gewinnmaximierung wenigstens an einigen Stellen durchbrechen können.“
Die Ausstellung wird in der Dankeskirche noch bis zum 1. Advent gezeigt, anschließend ab 1. Dezember in Frankfurt im Zentrum Ökumene in der Praunheimer Str. 206. Im Februar kommt die Ausstellung zurück in die Wetterau und wird in den Räumen des Evangelischen Dekanats Wetterau im Erasmus-Alberus-Haus in der Hanauer Straße 31 gezeigt.
Hier sehen Sie die Siegerfotos.