02.02.2012
Vorbereitungen zum Weltgebetstag 2012 starten


Frauen beten gemeinsam in der Wilhelmskirche Bad NauheimBAD NAUHEIM/WETTERAU: Malaysia ist das Weltgebetstagsland 2012: am 2. März werden Millionen von Frauen in über 170 Ländern einen ökumenischen Gottesdienst feiern, dessen Lieder und Gebete Christinnen aus Malaysia ausgesucht haben. Jedes  Jahr am ersten Freitag im März richtet der Weltgebetstag den Blick auf ein anderes Land. In den Vorbereitungsgruppen informieren sich die Teilnehmerinnen über die soziale und wirtschaftliche Situation des jeweiligen Landes, machen sich mit den Liedern des Gottesdienstes vertraut, planen den Ablauf und erproben auch gerne landestypische Speisen.

In der Wetterau wird diese Vorbereitungsphase traditionell mit einem großen Treffen in der Wilhelmskirche eröffnet, zu dem Vertreterinnen aller katholischen und evangelischen Gemeinden eingeladen sind. Dieses Mal mussten die Stuhlreihen sogar dreireihig gestellt werden, so viele waren gekommen. „Das  hatten wir noch nie“, freute Elisabeth Becker-Christ, die Frauenreferentin der evangelischen Propstei Oberhessen, die rund 80 Frauen willkommen hieß.
Es ist schon etwas Besonderes, wenn sich Frauen aus den Dörfern und Kleinstädten der Wetterau alljährlich auf ein ganz fremdes Land einlassen. Vorgestellt wurde Malaysia durch die „Projektfrauen“ vom Frauenteam des Evangelischen Dekanats Wetterau: Rosemarie Behler (Butzbach), Karola Odenweller (Steinfurth), Sabine Tamborini-Schwalfenberg (Nieder-Mörlen), Sabine Wießner Rockenberg). Rosemarie Geweth (Bad Nauheim) hatte sich um die Bewirtung gekümmert.

Gezeigt wurden Bilder aus Malaysia: Armensiedlungen neben Wolkenkratzern im Westen, üppige tropische Vegetation, paradiesische Strände, aber auch große abgeholzte Regenwaldgebiete auf der östlichen Insel Borneo, ein muslimisches Mädchen mit Kopftuch, das in einem Einkaufszentrum vor einem riesigen Weihnachtsbaum steht: Malaysia ist ein Land der Gegensätze, multiethnisch und multireligiös. Es ist reich an Bodenschätzen und gehört dank einer  rasanten industriellen Entwicklung vor allem im Bereich elektronischer Geräte zu den 15 bedeutendsten Handelsnationen. Doch der wirtschaftliche Aufschwung geht an vielen Menschen vorüber. Die „Projektfrauen“ gaben diesen Menschen eine Stimme: Sie erzählten von der Thailänderin, die nach dem Tsunami nach Malaysia auswanderte und dort von Arbeitsvermittlern wie ein Sklavin ausgebeutet wurde. Drei Millionen ungelernte Zuwanderer gibt es in Malaysia, ihr Monatslohn liegt um die 180 Euro. Ein weiteres Beispiel war Stella, die als Hausangestellte in Kuala Lumpur Arbeit fand und wie viele ihrer Kolleginnen Gewalt durch ihre Arbeitgeber erleben musste. Für Frauen wie sie hat Irene Fernandez die Frauenrechtsbewegung Tenaganita – auf deutsch: „Frauenkraft“ - ins Leben gerufen. Sie bietet einen Notruf für Hausangestellte an und vermittelt bei Gewalt – die auch sexuelle Gewalt sein kann – Notunterkünfte und neue Stellen. Ein Schwerpunkt ist der Kampf gegen Menschenhandel.

An Fruaen wie Stella und Irene hat das malaysische Vorbereitungsteam wohl bei der Auswahl des Liedes „Wes shall overcome“ gedacht. Birgitte Klingenberg, Kantorin an der Butzbacher Markuskirche, studierte es mit den Frauen ein. Die gerade gesehenen Bilder wirkten noch tief, der Gesang – ganz ohne Begleitung – wurde kraftvoll, fast ergreifend. Man könne auf dieses Lied auch noch einen „Rap“ sprechen, der die Situation der Frauen in Malaysia beschreibt, erläuterte die Kantorin.  Doch sie machte keinen Hehl daraus, dass ihr diese Idee aus dem Vorbereitungsheft nicht so besonders gefällt. Und die anwesenden Frauen pflichten ihr bei, dass dieser weltweit bekannte Gospelsong keine Zutaten braucht sondern gerade in der Schlichtheit seine ganze Wirkung entfaltet.

„Steht auf für Gerechtigkeit“ haben die malaysischen Frauen als Motto gewählt. Nun tragen die Frauen aus der Wilhelmskirche Ideen und Informationen dazu in ihre Gemeinden, wo in diesen Tagen die ersten Vorbereitungsgruppen beginnen. Neue Mitwirkende sind gern gesehen, die Termine der örtlichen Treffen sind in den evangelischen und katholischen Gemeinde- und Pfarrbüros zu erfragen.

ra